Jun 23

»Dynamic Facilitation« in der Schule – Der Weg zu Lösungen, die alle gut und richtig finden

»Dynamic Facilitation« bringt Lösungen hervor, die die Beteiligten nicht für möglich gehalten hätten. Die Methode ist vor allem für schwierige Themen, verfahrene Situationen und emotionsgeladene Fragen geeignet. Wesentliches Merkmal ist das Vertrauen auf die Kraft und das kreative Potenzial von Gruppen, die ein übergeordnetes Ziel verfolgen.

In den Grundzügen wurde »Dynamic Facilitation« bereits in den 1980er-Jahren vom US-amerikanischen Personalentwickler Jim Rough erarbeitet. Die Methode wird heute in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen angewendet – speziell, wenn andere Strategien nicht weiterführen.

Weit gefasst

Im Unterschied zu vielen anderen Methoden zur Lösungsfindung ist der Prozess bei »Dynamic Facilitation« nicht streng in einzelne Schritte gegliedert. Auch die Art und Weise, wie die jeweilige Aufgabe oder Frage von den Teilnehmern behandelt wird, ist nicht eng, sondern sehr weit gefasst.

Kreativer Fluss wird gefördert

Die Aufgabe des Moderators besteht dem entsprechend nicht in der gezielten Gruppen- und Diskussionsführung. Vielmehr unterstützt der Moderator die Gruppe dabei, den kreativen Fluss aufrechtzuerhalten, in dem er spontane Entwicklungen begleitet und fördert, also die Dynamik des Geschehens für gemeinsame Lösungsen urbar macht.

Alles sammeln, alles (be-)achten

Wesentliches formales Merkmal der »Dynamic Facilitation« ist, dass alle Äußerungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer beachtet und dokumentiert werden. Dafür sammelt der Moderator die Beiträge auf Listen – für alle gut sichtbar auf Flipcharts – und unterscheidet dabei vier Aspekte: Auf der ersten Liste werden alle Herausforderungen und Fragen notiert. Auf der zweiten die Lösungsvorschläge und Ideen, auf der dritten die Bedenken, Vorbehalte und Einwände. Auf dem vierten Flipchart werden alle Informationen und Sichtweisen gesammelt.

Puzzleteile des Ganzen

Diese Vorgehensweise bewirkt nicht nur, dass sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer gehört und gesehen fühlen. Sie sorgt auch dafür, dass die gesamte Gruppe die Vielfalt der individuellen Gedanken kennenlernt und das gegenseitige Vertrauen wächst. Die einzelnen Beiträge sind dabei wie Puzzleteile, die zunächst scheinbar ungeordnet in die Runde geworfen werden. Auch auftretende Konflikte zwischen Teilnehmern können mit dieser Methode mithilfe des Moderators schnell in Beiträge transformiert werden, die das Gesamtbild ergänzen.

Prozesse, die ineinandergreifen

Nach Matthias zur Bonsen, einem der führenden »Dynamic Facilitation«-Experten, laufen bei dieser Methode vier Prozesse ab, die ineinandergreifen: Durch aufmerksames Zuhören und (Be-)Achtung aller Ansichten wirkt »Dynamic Facilitation« vertrauensbildend. Das Sammeln aller Beiträge erweitert zudem den Blick des Einzelnen und lässt ein ganzheitliches Bild entstehen. Auch das gemeinsame, übergeordnete Ziel wird klarer erkennbar. Vor allem bringt »Dynamic Facilitation« kreative und tragfähige Lösungen hervor, die Weiterentwicklung ermöglichen.

Der Durchbruch kommt unerwartet

Gruppen, die mit »Dynamic Facilitation« arbeiten, erleben praktisch immer einganz besonderes, wunderbares Phänomen: Haben alle Teilnehmer ihrer Meinung und ihren Gefühlen Luft gemacht und sind alle Beiträge auf den Listen sichtbar gemacht worden, kommt die Gruppe an einen Punkt, an dem es scheinbar nichts mehr zu sagen gibt und ein Gefühl der Leere entsteht. Die Listen wirken noch wie ein ungeordneter Haufen von Puzzleteilen, neue Lösungen unerreichbar. In dieser Phase unternimmt auch der Moderator nichts, um von diesem oft unangenehmen Gefühl abzulenken. Denn ein Durchbruch braucht diese Zeit. Die Lösung stellt sich dann meist ganz unterwartet ein. Diese spontane Veränderung kann von der Gruppe nicht nur klar gespürt und wahrgenommen werden. Die Lösung, die »Dynamic Facilitation« hervorbringt, wird zudem von allen Teilnehmern als gut, richtig und tragend empfunden. Die Veränderung kommt in Gang, der Weg für Fortschritt ist frei.

 

Weitere Informationen im Internet:
http://www.tobe.net/

Literatur:
Rosa Zubizarreta / Matthias Bonsen (Hrsg.)
Dynamic Facilitation
Die erfolgreiche Moderationsmethode für schwierige und verfahrene Situationen
ISBN:978-3-407-36559-0